Valencia

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Die Stadt wurde 2022 zur Welthauptstadt des Designs gekürt und das wohlverdient. Das mussten wir uns natürlich einmal live ansehen und so zog es uns im deutschen Spätsommer in Spaniens drittgrößte Stadt.

Nur einen zweistündigen Flug aus Süddeutschland entfernt, war es das perfekte Reiseziel mit Baby. Früher hätte uns vermutlich ein langes Wochenende gereicht, um die Stadt zu erkunden, doch mit Siestas zu Hause und einem entschleunigten Tempo blieben wir eine ganze Woche und hatten so ausreichend Zeit, uns alles anzuschauen.

Valencia vereint einfach alles, was das Reiseherz begehrt: so kann man einen Tag am Stadtstrand verbringen, Tapas oder Paella in einem der vielen tollen Restaurants genießen, prachtvolle Gebäude in der Altstadt bestaunen oder auch die Stadt der Künste und Wissenschaften bestaunen.


Rund um den Mercat Central

Hier werden alle kulinarischen Wünsche wahr! Kein Wunder also, dass wir diesen Ort mehr als einmal besuchten. Schon früh am Morgen geht das geschäftige Treiben an den über 250 (!!!) Ständen los und man kann sich gar nicht entscheiden, was man als erstes probieren möchte.

Die Markthalle hat eine beeindruckende Architektur im Stil des Valencianischen Modernismus und daher verweilt man hier gerne noch einst aufgeteilt in zwei Hallen: die eigentliche Markthalle mit einer 30 Meter hohen Kuppel im Zentrum und ein Fischmarkt.

Auf dem Dach des Marktes sitzt am höchsten Punkt ein grüner Papagei- als Hinweis auf die Markthändler, die angeblich genausoviel schnattern wie der Vogel.

Falls man nach dem Besuch in Valencia Fernweh nach der Markthalle hat, gibt es einen besonderen Service: man kann sich per Onlinebestellung viele Sachen direkt nach Hause liefern lassen.

Was man dort auch sehr gut machen kann: Tapas essen. Natürlich bei keinem geringen als dem Sternekoch Ricard Camarena, der hier die stets gut besuchte Central Bar betreibt. Die Schlange schreckt meistens ab, doch es lohnt sich, ein paar Minuten anzustehen und sich dann an der Theke niederzulassen und von den vielen kleinen Köstlichkeiten zu probieren. Wir haben jedenfalls nie länger als eine viertel Stunde warten müssen.

Wenn der Bauch dann voll ist, sollte man unbedingt einen „Carajillo“ bestellen. Es handelt sich um Espresso-Mischgetränk, das mit Brandy oder anderen Spirituosen versetzt und angezündet wird. Wir wollten ja eigentlich nicht, aber der Gruppenzwang der Spanier hat uns (natürlich auch schon nach dem Mittagessen) dazu verleitet, es auch zu probieren. Und was soll ich sagen: geht gut 🙂

Llotja de la Seda

Schräg gegenüber des Mercat Central liegt die Llotja de la Seda (deutsch: Seidenbörse), die von außen aussieht wie eine Kirche. Immer, wenn wir dort waren, gab es gerade Führungen für riesige Schülergruppen, weshalb wir es uns nicht von innen angesehen haben. Sonntags ist der Eintritt frei und auch sonst mit 2 Euro sehr günstig.

Das Gebäude ist von außen aber auch schon sehr eindrucksvoll.

Real Iglesia de los Santos Juanes

Wiederum schräg gegenüber der Seidenbörse befindet sich ein weiteres prachtvolles Gebäude: die Kirche, die Johannes dem Täufer geweiht ist. Sie wird derzeit aufwendig renoviert, ein Besuch ist aber dennoch möglich.

Plaça de la Mare de Déu

An diesem Platz befinden sich die Kathedrale und die Basilika, die man auch besichtigen kann. Wir haben allerdings auch diese Bauten nicht von innen gesehen, sondern haben uns stattdessen am Brunnen in der Mitte des Platzes erfrischt und uns überlegt, für welche Veranstaltung wohl die vielen Stühle aufgestellt werden. Zeit in der Sonne verbringen hat uns irgendwie mehr gereizt als eine dunkle Kirche zu besichtigen.

Plaça Redona

Dieser runde Platz hat einen Durchmesser von 37 Metern und hat früher einen Markt für Fisch und Geflügel beheimatet. Heute finden sich hier Souvenirmärkte und Handarbeitsbedarf. Das faszinierende an diesem Platz ist, dass er von 48 völlig unterschiedlichen Gebäuden umgeben ist und dennoch sehr einheitlich wirkt.

Man könnte meinen, dass hier früher Stierkämpfe stattfanden, doch tatsächlich geht es hier wesentlich gemütlicher zu. Besonders am Vormittag kann man die Menschen dabei beobachten, wie sie ihrem Handwerk nachgehen und schöne Dinge herstellen.


Plaza de Toros

Direkt neben dem Hauptbahnhof Estaćio del Nord befindet sich eine Stierkampfarena. Sie ist inspiriert vom römischen Colosseum und fasst knapp 13000 Sitzplätze. Es werden auch heute noch Stierkämpfe ausgetragen, doch auch Konzerte und Events aller Art finden hier statt.

Daran angeschlossen ist das Museum Museo Taurino, in dem man sich über die Geschichte des Stierkampfs informieren kann und von wo aus man auch die Arena von innen besichtigen kann, wenn keine Stiere vor Ort sind.


Plaça de l’Ajuntament

Der Rathausplatz ist das Zentrum Valencias und er wird umsäumt von zahlreichen Blumenläden. In ihrer Mitte finden regelmäßig Mascletàs (sehr lautes Böllerfeuerwerk) statt, besonders wenn die Fallas, das valencianische Fest aller Feste, im März gefeiert wird. Aus diesem Grund sind die Blumenläden heute zur Hälfte aus Glas und zur anderen Hälfte aus Marmor- die Explosionen des Feuerwerks haben das Glas nämlich regelmäßig zum Springen gebracht.


Kulinarisches Päuschen gefällig?

Wenn man eine kleine Pause vom Schlendern durch die wunderschöne Stadt braucht, bietet sich ein Besuch in der leicht verrückten Birlibirloque Bar in der Nähe des Rathausplatzes an. Man kann hier mittags für knapp 15 Euro sehr gut essen (inklusive Vorspeise und Dessert).

Wer es etwas schicker möchte, der sollte dem Restaurant Civera einen Besuch abstatten. Hier gibt es alles, was das Meer so hergibt- fangfrisch natürlich. Die Spanier sind generell sehr kinderfreundlich, daher ist es kein Problem, auch in schickeren Restaurants mit Kinderwagen aufzutauchen.

Besonders lecker waren die Fischtacos, von denen wir gern direkt nochmal die gleiche Portion verdrückt hätten. Aber auch alles andere von der Karte ist zu empfehlen. Da der Ort sehr beliebt ist, sollte man unbedingt vorher reservieren.

Wenn man nach dem leckeren Essen dann noch Lust auf etwas Süßes hat, hat man die Qual der Wahl. Wir haben uns des Öfteren für das prämierte Eis von Vèneta entschieden. Jede Sorte, die wir hatten, war einfach nur superlecker. Man kann sich damit dann in den Schatten der Bäume setzen und dem bunten Treiben auf dem Marktplatz zusehen.

Eine andere Alternative ist die lokal bekannte Süßspeise Fartons, die einfach perfekt mit einer Horchata harmoniert. Beim ersteren handelt es sich um Gebäck aus Hefe- oder Blätterteig und beim letzteren um eine süße Milch, die aus Mandeln, Nüssen oder Samen hergestellt wird. Der erste Schluck ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber danach kann man gar nicht mehr aufhören, Fartons mit Horchata zu verspeisen. Gibt es (leider) an jeder Ecke zu kaufen und damit ist man dann auch erstmal satt.


Ab ans Meer!

Das Tolle an Valencia ist, dass es direkt am Meer liegt und man es bequem per Bus oder Metro erreichen kann. Wir hatten mit unserer Reisezeit im Oktober das Glück, den Sommer noch etwas verlängern zu können und haben den ein oder anderen Tag am Strand verbracht. Der Strand ist eeewig lang, hat super feinen Sand und fällt flach ins Wasser ab, sodass man auch mit Baby gut schwimmen gehen kann.

Im Strandviertel kann man natürlich auch gut essen gehen und hier ist das Restaurant La Sastreria zu empfehlen. Innen sieht es superschön aus, allerdings war es dank voll aufgedrehter Klimaanlage so kalt wie in einem Iglu, weshalb wir lieber draußen an den nicht ganz so spektakulären Tischen gegessen haben.


Túria

Vom Meer geht es nun zum Fluss. Dieser hat aber kein Wasser mehr und genau das macht den besonderen Charme aus. Túria heißt der Fluss, der Valencia durchzieht, jedoch trockengelegt wurde. Warum? Weil er ständig über die Ufer trat und dabei große Zerstörung und Verwüstung mit sich brachte, am schlimmsten im Jahr 1957. Seit den 60er Jahren wurde der Flussverlauf dann geändert und der wunderschöne verkehrsfreie Park entstand.

Man kann hier in Ruhe spazieren gehen, was besonders geschätzt wird, wenn das Kind im Wagen schläft und man sich im Schatten der Bäume etwas ausruhen kann. Es gibt viele Joggingwege, Basketballplätze, eine Minigolfanlage, Fahrradwege, Skateparks und viel mehr. Ein perfekter Ort, wenn man sich vom Trubel der Stadt etwas erholen möchte.

In diesem Flussbett liegt übrigens auch ein toller Spielplatz für ältere Kinder, der Parque Gulliver. Von oben sieht er noch spektakulärer aus als vor Ort und ich habe fast selbst Lust bekommen, auf der Figur herumzuturnen und herunterzurutschen.


Ciutat de les Arts i les Ciències (CAC)

Läuft man die trockengelegte Túria immer weiter entlang, stößt man auf ein besonderes Highlight Valencias. So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen: Die „Stadt der Künste und Wissenschaften“ ist einfach nur beeindruckend. Auf einem riesigen Areal am östlichen Ende des trocken gelegten Flussbettes setzt sich diese „Stadt“ aus mehreren imposanten Gebäuden zusammen, die fast alle vom Valencianischen Stararchitekten Santiago Calatrava stammen.

Es gibt: ein Imax-Kino, das Wissenschaftsmusuem, die Oper, L’Umbracle, Brücken und die Kunsthalle Ágora, die seit 2022 Caixa-Forum heisst. Außerdem steht hier das größte Aquarium Europas, das Oceanogràfic. Auch Kinder kommen hier sehr gut auf ihre Kosten.

Besonders beeindruckend fand ich die einhundert weißen Stahlbögen, die das L’Umbracle bilden. Es ist eigentlich eine Parkgarage und man hat vom Balkon aus eine tolle Aussicht auf das gesamte CAC. Unter den Bögen ist ein Garten, durch den man (umsonst) spazieren kann.

Eigentlich sollen auch noch Bürokomplexe und ein Zugang zum nahe gelegenen Bahnhof entstehen, aber das wird aufgrund einer massiven Kostenexplosion wohl nie passieren. Man spricht mittlerweile vom vierfachen des Kostenvoranschlags und der Einzige, der darüber nur schmunzeln kann, ist der Architekt selbst, denn sein Lohn wurde abhängig von den tatsächlichen Baukosten berechnet (12% von 1,3 Milliarden Euro).

Auch die Filmindustrie kann sich hier ausleben und so wurden bereits einige Streifen wie zum Beispiel Tomorrowland oder Dr. Who gedreht.

Was man in der Stadt der Künste und Wissenschaften allerdings nicht gut machen kann, ist Essen und Trinken. Wie für typische Touristenspots üblich, sind alle Restaurants und Bars in der Nähe völlig überteuert. Am besten also ein paar Straßen weiter laufen und wieder zu humaneren Preisen speisen. Ein paar Tapas auf die Hand gehen schließlich immer.


Unsere Unterkunft

Da wir mit Baby reisen, war es uns wichtig, eine Unterkunft mit Babybett und Hochstuhl zu haben. Außerdem brauchen wir ein separates Zimmer damit unsere Tage nicht schon um 19 Uhr enden. Wir haben uns daher für ein AirBnB entschieden, mit dem wir sehr zufrieden waren.

Sie liegt sehr zentral, alles war fußläufig erreichbar und zum Strand konnte man einfach in den Bus direkt vor der Tür einsteigen. Nachts war es leider etwas laut, aber das ist eben oft der Nachteil, wenn man zentral wohnt.


Die Woche in Valencia war genau das, was wir gebraucht haben: den Sommer noch etwas verlängern, uns in einer neuen Stadt treiben lassen und wertvolle Familienzeit zu dritt miteinander verbringen.

Anfangs haben wir uns dabei ertappt, wie wir die Tage sehr voll und mit wenig bis keinen Pausen vollgeplant haben, aber unser neuestes Familienmitglied hat dann irgendwann den Takt angegeben und uns alle etwas entschleunigt. Das war auch gut, denn so konnten wir die Hängematte in der Wohnung während der Siesta umso mehr genießen (und vor allem den Vorzug, dass man darin hervorragend ein Kind einschläfern kann). Auch die Reisezeit war perfekt und es war einfach eine richtig gute Kombination von blauem Meer, pulsierender Stadt sowie beeindruckender Architektur.

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  1. Avatar von Wolfgang Engler Wolfgang Engler sagt:

    Das mach richtig Lust, nach Valencia zu reisen

    Liebe Grüße

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