Unsere schönste Tradition: im Winter eine Fernreise machen und so der Kälte entfliehen und die Phase des grauen Wetters so etwas verkürzen. Dieses Mal hat es uns in die Karibik, genauer gesagt nach Guadeloupe, verschlagen, da wir nach unseren letzten Urlauben mal wieder Lust auf kristallklares Meerwasser mit Badewannentemperatur hatten.

Guadeloupe, ein französisches Übersee-Département in der Karibik, wird wegen ihrer charakteristischen Form aus den beiden Hauptinseln Basse-Terre und Grande-Terre, die wie die Flügel eines Schmetterlings geformt sind, oft als Schmetterlingsinsel oder Papillon-Archipel (französisch für Schmetterlingsarchipel) bezeichnet.

Die Inselgruppe, von Christoph Kolumbus 1493 entdeckt und nach der spanischen Jungfrau von Guadalupe benannt, ist bekannt für den aktiven Vulkan La Soufrière, üppige Regenwälder und eine kreolische Küche mit französischen Einflüssen.

Von Deutschland aus dauert ein (Inlands-)Flug von Paris nach Pointe-à-Pitre gute 8 Stunden. Als Teil Frankreichs gilt der Euro, Französisch ist Amtssprache, und EU-Bürger reisen visumfrei.
Guadeloupe hat keine Sommerzeitumstellung, was einen festen Zeitunterschied von 5 Stunden zur Winterzeit und 6 Stunden zur Sommerzeit in Deutschland bedeutet. Die beste Reisezeit ist die Trockenzeit von Dezember bis April, während Juni bis November Hurrikansaison ist.

Wir hatten vor der Reise etwas Sorge, wie wir den Jetlag verkraften werden, aber die Angst war unbegründet: das Kind war nur in der ersten Nacht etwas verwirrt und öfter wach, hat aber danach schon den neuen Rhythmus gefunden. Die ersten Tage hat es auch gerade so bis zur Schlafenszeit durchgehalten und ist dann innerhalb von einer Minute eingeschlummert- welch ein Segen, wenn man Einschlafbegleitungen von einer Stunde gewöhnt ist.
Da es hier schon früh dunkel wird, haben wir uns einfach angepasst und die Tage (zugegeben teilweise sehr) früh begonnen und auch früh wieder beendet.

Unsere beiden Unterkünfte
Wir haben uns für die zwei Wochen für zwei verschiedene Ferienhäuschen entschieden, die wir über AirBnB gefunden haben. Sind sind beide gar nicht weit voneinander entfernt, da uns die Lage im Südosten der Insel bei der Recherche am besten gefallen hat und hier letztendlich auch die beste Auswahl vorhanden war.
St. Anne
Mit schönem Meerblick und im Grünen gelegen befindet sich die erste Unterkunft in St. Anne.

Sie hat einen kleinen erfrischenden Pool, einen großen Außenbereich mit vielen Möglichkeiten zum Kolibris beobachten und ausreichend Palmen, um die Hängematte auszuspannen.

Es gibt ein klimatisiertes riesiges Schlafzimmer mit integriertem Bad und ein weiteres Schlafzimmer sowie einen geräumigen Wohn-/Essbereich. Es ist alles vorhanden, was man benötigt und wir können das Ferienhaus sehr empfehlen.

Falls das jemand buchen sollte: haltet bitte Ausschau nach dem zweiten Badeschuh vom Kind- den haben wir dort nämlich verloren!
St. François
Für den zweiten Teil der Reise haben wir die Unterkunft gewechselt und sind ein paar Kilometer weiter bis zum östlichsten Zipfel der Insel gefahren. Und was soll ich sagen? Es war ein wahr gewordener Traum!

Auch dieses Traumhaus haben wir über Airbnb gefunden und da es noch keine Bewertungen hatte, sogar einen richtig großen Rabatt bekommen, sodass es im Endeffekt sogar günstiger als das erste Haus war (und noch dazu wesentlich besser!). Das haben wir übrigens schon sehr oft gemacht und hatten bisher nie negative Erfahrungen. Ganz im Gegenteil!

Die Hälfte des Hauses ist offen gestaltet, und so hat man das Gefühl, draußen und drinnen gleichzeitig zu sein. Es ist super schön und komfortabel eingerichtet und es fehlt einem wirklich an nichts. Für den ersten Tag wird ein komplettes Frühstück zur Verfügung gestellt und außerdem eine Flasche des selbst gemachten Rum-Punch ist, für den Guadeloupe bekannt ist.

Für Kinder gibt es einen Hochstuhl und weitere Gegenstände bei Bedarf. Das Highlight waren aber die Hühner aus Nachbars Garten, die regelmäßig auf unserem Rasen gegrast haben. Irgendwann haben wir dann auch verstanden, warum das Kind dabei ständig schreit: „Seid still!“- Petterson und Findus sei Dank.

Im Pool mit der angenehmen Temperatur von 29 Grad habe ich täglich circa 150 Bahnen zurückgelegt und so den Mittagsschlaf des Kindes optimal ausgenutzt. Die beste Zeit des Tages ist aber die, wenn die hauseigene Bar geöffnet ist 🙂

Einziges Problem: die Schnaken. Der Mann und das Kind waren meine persönlich beste Schnaken-Abwehrmethode und so bin ich sehr glimpflich davon gekommen. Die Vermieter haben aber auch Kerzen und Räucherkerzen gegen die lästigen Viecher zur Verfügung gestellt.
Von der Unterkunft ist es nur ein Katzensprung bis zum (nun aber wirklich) östlichsten Punkt der Insel. Dort kann man bis zu einem Gipfelkreuz hochwandern, wobei das Wort Wanderung hier maßlos übertrieben ist man von einem längeren Spaziergang mit moderater Steigung sprechen kann. Wir haben dennoch darauf verzichtet, da selbst der Spaziergang bei sengender Hitze mit Kleinkind nicht geeignet gewesen wäre.

Die schönsten Strände
Der absolut schönste: Plage du petit havre
Nur ein paar Minuten von der ersten Unterkunft in St Anne entfernt liegt dieser schöne kleine Strand. Parken kann man direkt davor (kostenlos), es gibt viele Schatten spendende Bäume und Palmen und es ist auch am Wochenende nicht überlaufen.

Der helle und feinsandige Strand fällt schön flach ab, was perfekt für Kinder und entspanntes Liegen auf der Luftmatratze ist und er befindet sich in einer ruhigen Bucht und hat daher fast keine Wellen. Wenn man Glück hat, läuft einem sogar ein Leguan über den Weg.

Wir haben hier oft den kompletten Vormittag verbracht und uns sehr wohl gefühlt. Vor allem im Nachhinein, nachdem wir auch den Rest der Strände gesehen haben, muss ich mein Urteil nochmal bekräftigen: das ist wirklich der allerschönste von allen.
Es gibt auch einen kleinen Strandimbiss, der allerdings so unterirdische Bewertungen hatte, dass wir um unsere selbst mitgebrachte Snackbox sehr froh waren. Wenn wir Glück hatten, hat das Kind sogar mit uns geteilt.

Der Strand hat sogar ein gutes Omen: einmal haben wir hier unsere nassen Sachen aus Versehen im Baum hängen lassen und sie schon verloren geglaubt. Am nächsten Tag hingen sie allerdings tatsächlich noch an Ort und Stelle! Was für ein Glück.

Plage du Bourg
Hierbei handelt es sich um den Stadtstrand von St Anne, der direkt an der Straße liegt. Das hat den Vorteil, dass man sein Auto parken kann und einen Schritt weiter direkt im Sand steht. Der Nachteil ist allerdings, dass es natürlich nicht so ruhig und idyllisch ist wie an den anderen Stränden.

Plage de Bois Jolan
Dieser Strand ist auch absolut traumhaft und wie einer Postkarte entsprungen: überall stehen groß gewachsene wunderschöne Palmen, die teilweise sogar bis ins Meer hineinragen.

Außerdem gibt es dort noch einen dichter bewachsenen Teil mit Bäumen, die zum einen perfekte Schattenplätze sind und zum anderen hervorragende Voraussetzungen zum Spannen der Hängematte bieten.

Hier haben wir sogar mal einen kurzen, aber heftigen Regenschauer überstanden. Mit Handtüchern bewaffnet und in der Hängematte liegend war das aber eigentlich eher ein großer Spaß und nach ein paar Minuten schon wieder vorbei.

Anse à la Gourde
Dieser Strand ist vor allem bei Windsurfern sehr beliebt und er zieht sich ewig lang. An den meisten Stellen sind Steine vorgelagert, weshalb sich dort eine kleine Lagune gebildet hat, die die großen Wellen vom Ufer abhält. Es gibt allerdings wenig Schatten und – wie oben schon erwähnt- sehr viel Wind, weshalb er beim Kind nicht ganz so beliebt war.

Aber im Sand herumtoben geht hier ganz besonders gut!

Plage St Francois
Auch der Stadtstrand von St François ist dank vieler Palmen sehr idyllisch, wenn auch sehr klein. Er liegt direkt neben dem Hafen und zahlreichen leckeren Restaurants.
Diese würde ich bevorzugt mittags besuchen, da man zu dieser Tageszeit auch etwas vom Meerblick hat. Da es hier früh dunkel wird und die Restaurants erst um 18:30 Uhr aufmachen, verpasst man das schöne Ambiente abends.

Wir waren auch noch an ein paar anderen Stränden, aber wie oben schon erwähnt, würde ich, wenn ich die Wahl hätte, immer zum Plage du petit havre gehen.

Where to eat
K‘Bos
Wer Lust auf den frischesten Fisch überhaupt hat, der sollte den kleinen und offen gestalteten Imbiss K‘Bos direkt am Wasser unbedingt besuchen. Die Karte hier wechselt täglich, je nachdem, was gerade gefischt wurde.

Wir können die Languste und auch das Thunfischtartar wärmstens empfehlen. Als Beilagen gibt es hier typische Kochbananen oder selbst gemachte Fries. Der Favorit des Kindes war allerdings: Reis mit Bohnen.

Während die Restaurantauswahl in St Anne insgesamt eher spärlich war, konnte man in St François aus einer Vielzahl an guten Restaurants auswählen.

Wir waren zum Beispiel im Le Zagaya direkt am Wasser. Es hat durchgehend geöffnet, weshalb wir auch schon am frühen Abend hingehen konnten. Allerdings gibt es am Nachmittag lediglich Tapas, da die Küche nur mittags und abends geöffnet hat. Die Tapasplatte ist aber sehr lecker und auch die riesigen Cocktails passen gut dazu.

Tropic Café
Direkt am Hafen von St François liegt dieses schön aufgemachte Restaurant, das Tropic Café. Es hat durchgehend geöffnet und wir waren zum Mittagessen dort.

Der Service war super freundlich und auch das Essen hat gut geschmeckt. Ich war hier sehr stolz auf mich, denn ich habe mich mit der netten Dame komplett auf Französisch unterhalten- irgendwann kommt das Gelernte wohl doch wieder hoch.
Generell ist hier alles etwas teurer, als man es von Frankreich gewöhnt ist. Auch bei unseren Einkäufen im Supermarkt mussten wir immer tief in die Tasche greifen. Ist ja auch irgendwie verständlich, denn irgendwie muss man ja alles erst mal auf die Insel schaffen.
Traditional food: Bokit
Was man auf jeden Fall probieren sollte, sind die traditionellen Sandwiches, auch Bokits genannt. Sie erinnern etwas an Langos, die man aufschneidet und mit allerlei Leckereien füllt. Man wird also definitiv satt.

Diese Sandwiches gibt es in kleinen Hütten oder Foodtrucks am Straßenrand zu kaufen und es gibt diverse Füllungen zur Auswahl. Wählt man „complet“, ist es gefüllt mit Schinken, Tomaten, kleinen Würstchen, Käse, Zwiebeln und Salat.

Not to forget: Kokosnüsse
Die dürfen natürlich in keinem Urlaub fehlen! Es gibt doch nichts erfrischenderes als eine Kokosnuss zu schlürfen und sich als Nachtisch noch das Fruchtfleisch (heißt das so?!) zu gönnen.

Things to do with kids
Aquarium
Nur circa eine Viertelstunde von St. Anne entfernt liegt das Aquarium von Guadeloupe. Hier kann man mit der Familie ein bisschen abtauchen. Es gibt tolle große Becken und interaktive Mitmachmöglichkeiten für Kinder.

Kinder unter drei Jahren zahlen nichts und pro Erwachsenem werden 15 € fällig. Als wir dort waren, war recht wenig los und so konnten wir alles in unserem eigenen Tempo und ohne Stress erkunden.
Glasbodenboot
Ein schöner Ausflug mit Kindern ist eine Fahrt mit einem Glasbodenboot. Diese legen im Westen der Insel ab und fahren zur vorgelagerten Insel. Dort gibt es dann einen halbstündigen Schnorchelstopp und dann geht es auch schon wieder zurück.

Zoo
Dieser Zoo ist ein Must-do! Wir waren noch nie in einem schöneren Zoo und sind immer noch total begeistert!

Wir haben den Wagen mitgenommen, weil wir die naive Idee hatten, dass das Kind seinen Mittagsschlaf dort macht. Spoiler: bei so einem interessanten Zoo geht die Wahrscheinlichkeit, einfach einzuschlafen, gegen Null. Das war übrigens neben den Wegen am Flughafen das erste und einzige Mal, dass wir den Kinderwagen benutzt haben.



Bei so vielen Tieren sind wir aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen. Das Tolle an dem Zoo ist, dass er mitten im Urwald ist und allein der Weg schon ein Abenteuer mit teilweise atemberaubender Sicht ist.

Ein Highlight neben vielen anderen war der schwarze Leopard, den ich so noch nie zuvor gesehen habe.

Dieser Ausflug ist also nicht nur für Kinder etwas, sondern auch Erwachsene kommen voll auf ihre Kosten. Im Eintrittspreis von circa 13 € pro Erwachsenem ist außerdem auch ein Canopy Skywalk mit inbegriffen. Für jüngere Kinder gibt es eine altersentsprechende Alternative.

In der Gegend, in der wir die Fahrt mit dem Glasbodenboot gemacht und den Zoo besucht haben, kann man übrigens auch mit Schildkröten in freier Wildbahn schnorcheln. Das hat zeitlich leider nicht gepasst bei uns- zum Glück hatten wir das Vergnügen bereits auf anderen Flecken der Erde.
Hard facts
Wenn man unsere Reise in Zahlen ausdrückt, waren es 14 Tage, 34 Mückenstiche, 980 Bahnen im Pool, 1 Geburtstag, 6 Strände, 500 gefahrene Kilometer, 3 durchgelesene (Erwachsenen-)Bücher, 87592 gelesene Bilderbücher, 2 Flüge, 3 Tuben Sonnencreme, 6 Kokosnüsse, 1 Kinderwagen, den wir zu Hause hätten lassen können, 29 Limetten, 0 Tage ohne Sonne, 1 Paar kaputte Flipflops, 12 Croissants zum Frühstück, ein paar Euros weniger auf dem Konto, 5 neue Freunde (Menschen, Geckos, Ziegen- wer weiß das schon?), 1 Mietwagen voller Sand, 7 der größten Maracujas, die ich je gesehen habe, 36 Flaschen Wasser und 380 Fotos mit unvergesslichen Erinnerungen! Wow!

